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Deutscher Doppelsieg am Notschrei

Nico Messinger (Ring der Körperbehinderten Freiburg) und Lennart Volkert (PSV München) dominieren beim Para Biathlon-Heimweltcup im Einzelrennen über 12,5 Kilometer die Konkurrenz der Männer mit Sehbehinderung. Auch Anja Wicker (MTV Stuttgart) und Johanna Recktenwald (Biathlon-Team Saarland) erreichen Podiumsplatzierungen.

Der Schnee fiel beständig über dem Nordic Center Notschrei im Südschwarzwald, immer wieder pfiff der Wind unwirsch über den Schießstand hinweg. Wetter- und Streckenbedingungen beim ersten von drei Wettkämpfen des Para Biathlon-Weltcups der Internationalen Biathlon-Union (IBU) konnten durchaus herausfordernd genannt werden. Nico Messinger (mit Guide Robin Wunderle) und Lennart Volkert (mit Florian Winker an seiner Seite) ließen sich dadurch, wenn überhaupt, nur kurzfristig aus der Ruhe bringen. Sie sorgten am Donnerstag aus deutscher Sicht für den Höhepunkt des ersten Wettkampftages.

Messinger blieb als einziger Athlet mit Sehbehinderung viermal fehlerlos am Schießstand – dies, nachdem er beim ersten Weltcup der Saison im kanadischen Canmore noch einige Probleme gehabt hatte. „Das ist perfekt“, sagte er. Läuferisch sah er sogar noch Steigerungspotenzial. „Ich war nach Weihnachten etwas erkältet und gespannt, was hier geht.“ Dass sein Teamkollege ihm als Zweiter folgte, freute Messinger besonders. Der 22-jährige Volkert, der in Canmore im Einzel gewonnen hatte, leistete sich im ersten Schießen zwei Fehler und damit zwei Strafminuten, eine weitere kam nicht hinzu. Sein Abstand im Ziel auf Messinger belief sich auf 1:34,8 Minuten. „Läuferisch war’s zäh heute. Aber ich bin sehr zufrieden, dass ich mich nach den zwei Fehlern zu Beginn gefangen habe.“ Rang drei ging an Shuang Yu aus China, der nach vier Schießfehlern 3:32,2 Minuten Rückstand auf Messinger hatte.

Auch Wicker und Recktenwald überzeugen

„Sehr schön“, fand der Bundestrainer Ralf Rombach die Leistungen seines Duos. „Sie haben bestätigt, dass sie vorne mitmischen können. Das gefällt mir“, sagte Rombach, der zwei weitere Topergebnisse registrieren durfte. Anja Wicker (MTV Stuttgart) wurde bei den Frauen in der sitzenden Konkurrenz Zweite hinter der US-Amerikanerin Oksana Masters, die drei Fehler schoss und damit einen mehr als Wicker, in der Loipe aber schneller unterwegs war: 28,9 Sekunden trennten die beiden im Ziel. Yilin Shan (China, 1:46,4 Minuten hinter Masters bei ebenfalls drei Fehlern) folgte auf Rang drei, Andrea Eskau wurde Fünfte.

„Wenn die Bedingungen so wie hier und heute sind, liegt das Anja eigentlich überhaupt nicht. Insofern war das stark von ihr“, lobte Rombach. Wicker selbst zeigte sich ähnlich überrascht, hatte aber eine Erklärung parat. „Ich war in einem neuen Schlitten unterwegs. Der macht es mir bei Tiefschneeverhältnissen leichter. Es hat richtig Spaß gemacht, zumal es am Schießstand auch besser lief als zuletzt."

Im Rennen der Frauen mit Sehbehinderung kamen Johanna Recktenwald und ihre Begleitläuferin Emily Weiß beim überzeugenden Sieg der Tschechin Simona Bubenickova vor der Chinesin Yue Wang als Dritte ins Ziel. Bubenickova und Wang schossen je einmal daneben, Recktenwald zweimal. „Das ist eigentlich nicht mein Anspruch. Aber dass ich mit zwei Fehlern noch aufs Podium gelaufen bin, das macht mich zufrieden“, sagte die 24-Jährige. Der Bundestrainer stimmte zu: „Die Konkurrenz in der Klasse hat extrem angezogen“, betonte Ralf Rombach. Linn Kazmaier (SZ Römerstein) musste wegen technischer Probleme kurz vor dem Start passen, Leonie Walter (SC St. Peter) verzichtete aufgrund von Schulterproblemen sicherheitshalber auf einen Start, genau wie Theo Bold (WSV Isny) bei den Männern aufgrund von Handgelenksproblemen.

Maier hadert mit Rang vier

Ohne Top-drei-Platzierung blieben die deutschen Männer in der stehenden Klasse. Für Marco Maier war das Podium bereits nach dem ersten Schießen praktisch außer Reichweite. Da leistete er sich drei Fehler – nachdem Schnee in den Diopter seines Luftgewehrs gekommen war, was das Visieren extrem erschwerte. „Ärgerlich“, fand das der 26-Jährige vom SV Kirchzarten, der nach einem weiteren Fehler beim vierten Schießen letztlich mit 1:51,2 Minuten Rückstand auf den Seriensieger Mark Arendz (Kanada, zwei Fehler) Vierter wurde. Auf dem Silberrang landete Benjamin Daviet (Frankreich, ein Fehler, 29.2 Sekunden hinter Arendz), dahinter folgte Junbao Wu (China, ein Fehler, 33,5 Sekunden Rückstand).

Steffen Lehmker (WSV Clausthal-Zellerfeld) wurde nach drei Fehler mit 3:23.1 Minuten Rückstand auf den Sieger Sechster. Alexander Ehler (SV Kirchzarten, fünf Fehler, 4:46.1 Minuten Rückstand) kam als Achter ins Ziel. Max Long (SV Kirchzarten, sechs Fehler, 8:41.3 Minuten Rückstand) beendete das Rennen auf Platz 15.

Das offizielle Training am Freitag fiel Sturmtief „Elli“ zum Opfer. Am Samstag soll es im Nordic Center Notschrei mit der Sprint-Verfolgung weitergehen – sofern es die Bedingungen erlauben. Der Start des ersten Rennens ist für 11.15 Uhr angesetzt.

Weitere Informationen:
https://www.nordski.de
https://www.biathlonworld.com/inside-ibu/para-biathlon

Quelle: Nordic Paraski Team Deutschland

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